POSITIONS - Exhibition on MS EUROPA 2015-06-21 - 2015-07-17
Rudolf zur Lippe
Chinatusche auf Papier, 100x70cm, 2010

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Rudolf zur Lippe
Chinatusche auf Papier, 100x70cm, 2010

P O S I T I O N S

Caroline Le Méhauté
Pascual Jordan
Ingeborg zu Schleswig-Holstein
Rudolf zur Lippe


Seit 2011 ist unter einigen der von der Werkstattgalerie vertretenen KünstlerInnen ein intensiver Dialog entstanden, der zum Aufbau einer Künstlergruppe zur Neuen Abstraktion und Konkretheit führte, welche nun auf der MS Europa zu sehen ist: Vier Positionen abstrakter Erkundungen.

Einhalten. Sich und einander fragen, wohin trägt, was bis hierher geschehen ist? Malerei, die nicht darstellt und nicht konstruiert, bewegt sich bei der Entstehung jedes einzelnen Bildes in diesen Fragen. Was sich von Augenblick zu Augenblick ereignet zwischen dem Impuls und den Flächen, den Farben, den Pinseln und der Hand, führt erst auf die Wege. Entschiedene Gesten; dann wieder Verhalten in einer Schwebe, die dem zögernd entschlossenen Auge mehr sagt, als der Sinn begreift.

Ingeborg zu Schleswig-Holstein lässt ihre Farben in schwimmenden Flächen über die gespannte Leinwand fließen, greift ein mit Bewegungen des Rahmens, lässt die Flüsse geschehen, wie wir dem Wasser zuschauen, das nach dem Anrollen der Welle abläuft auf dem Strand und seine Spuren auf dem Sand zurücklässt. Manche Bilder ziehen unseren Blick hinein zwischen durchsichtige Schichten, in denen sich die einander wiederholenden Vorgänge überlagern. Sie bilden so unglaubliche Wirklichkeiten, dass wir uns fragen müssen, wo sie möglich sein können zwischen den Aufnahmen eines Teleskops und dem Siel schillernder Algenschwärme in einer fremdem See vielleicht?

Pascual Jordan hat sich der abstrakten Malerei zugewandt, nachdem er lange Jahre figurativ gemalt hat und mit allen Techniken, Materialien und Überraschungen der alten Schulen vertraut geworden ist. Strukturen, die den informellen Beziehungen freier farbiger Findungen unterliegen, denen Flüsse der beweglichen Formen im verborgenen Halt geben. Meist ergibt ein Übereinander das schwer zu erratende Miteinander der Momente, die in der Betrachtung zusammenwirken, weil eine Bewegung mit einem Rakel oder noch weichen Pinsel sie neu gemischt hat im Auftauchen und Verschwinden.

Bei Rudolf zur Lippe geht es um die Körpergeste. Das Ein-und das Ausatmen, das Sich-erheben, das sich niederlassen. Ein Körperprozess, ein immanenter, der nicht die Geste der Hand sondern den ganzen Körper aktiviert. Seine Gesten gehen „Ordnungen anderer Art" nach, die nicht geplant oder komponiert und auch nicht rekonstruiert werden können. Seine Kunst macht vehemente Vorschläge gegen die Vormacht mechanischer, hierarischer Prinzipien im Zugriff auf die Lebensformen der Menschen, das Denken und die Welt.

Caroline Le Méhauté Aquarelle strahlen etwas magisches aus. Gemacht aus zerstoßener isländischer Erde und Farbe schafft Sie Formen, die uns an abstrakte nordische Landschaftsbilder erinnern. Ein harmonischer Dialog von Erde und Wasser, wie er uns auf dieser Reise ebenfalls erhebend begleiten wird.

Vier Erkundungen im Abstrakten, die auf sehr verschiedene Weisen die unerwartete Konkretheit von Wirklichkeiten sichtbar machen, die nur mögliche sind. Das Vorgehen ist dabei auch durch gleiche Techniken, die aber ganz unterschiedlich gewendet werden, so verwandt, wie etwa das Laufenlassen der Farben und Schüttungen es bedingen. Immer ist auch im Betrachten zu spüren, dass diese Malereien nur aus den freien Bewegungen des ganzen Körpers im Rhythmus der Gesten leben können.

Die Ausstellung ist auf der MS Europa vom 17.06.-17.07.2015 zu sehen.