Positions : Ingeborg zu Schleswig-Holstein, Pascual Jordan, Rudolf zur Lippe 2014-09-05 - 2014-10-04

P O S I T I O N S

Ingeborg zu Schleswig-Holstein
Pascual Jordan
Rudolf zur Lippe


Vernissage: Freitag, 05. September um 19 Uhr

Positionen abstrakter Erkundungen. Einhalten. Sich und einander fragen, die auf verwandten Wegen sind. Um weiterzugehen. Wohin trägt, was bis hierher geschehen ist?

Malerei, die nicht darstellt und nicht konstruiert, bewegt sich bei der Entstehung jedes einzelnen Bildes in diesen Fragen. Was sich von Augenblick zu Augenblick ereignet zwischen dem Impuls und den Flächen, den Farben, den Pinseln und der Hand, führt erst auf die Wege. Entschiedene Gesten; dann wieder Verhalten in einer Schwebe, die dem zögernd entschlossenen Auge mehr sagt, als der Sinn begreift.
Oder schweigt. Oder plötzlich ist klar, da bist du zu weit gegangen. "Fußgänger der Luft", nicht nur der Titel eines Stücks im Theater des Absurden. Die Luft trägt den Maler nur, wenn der Elan bedingungslos ist und die Bewegung dennoch tastend...

Ingeborg zu Schleswig-Holstein lässt ihre Farben in schwimmenden Flächen über die gespannte Leinwand fließe, greift ein mit Bewegungen des Rahmens, lässt die Flüsse geschehen, wie wir dem Wasser zuschauen, das nach dem Anrollen der Welle abläuft auf dem Strand und seine Spuren auf dem Sand zurücklässt. Rinnsale, Kanten von Schaum und dann wieder das Spiegeln in weiten Schwingen aus den Gesten des Schwenkens, des Anhebens und Senkens. Manche Bilder ziehen unseren Blick hinein zwischen durchsichtige Schichten, in denen sich die einander wiederholenden Vorgänge überlagern.
Andere werden immer sparsamer und machen aufmerksam auf besondere Momente, die in anderen dieser Landschaften des Auges wie zufällig aufgetaucht sind. Immer finden wir uns aber solchen Landschaften gegenüber, deren Erscheinung sich abgelöst hat von jedem Grund, um uns vor transparente Konstellationen zu führen - Landschaften, die den Himmelslüften oder den Meereswassern unbekannte Verwandte sind.
Sie bilden so unglaubliche Wirklichkeiten, dass wir uns fragen müssen, wo sie möglich sein können zwischen den Aufnahmen eines Teleskops und dem Siel schillernder Algenschwärme in eines fremdem See.

Rudolf zur Lippe hat jetzt die vielgliedrigen Gesten der Schwarmbilder und die starken Energien der "großen Gesten" so zurückgenommen, wie es vielleicht radikaler noch denkbar ist. Sein Thema ist die Falte.
Zunächst hat er große Papiere vertikal einmal hin und wieder zurück-gefaltet, dass sich unter der Kante ein sehr flacher Hohlraum ergibt. Sofort meldet sich die Frage, was er verbirgt, was aus ihm zu erwarten ist, wie unsere Vorstellung in ihn einzudringen vermag.

Einige Bilder konfrontieren eine Falte mit einer zweiten, die entweder die Richtung der Öffnung fortsetzt oder ihr entgegen gerichtet ist. Die Größe der Blätter und die ungewöhnliche Qualität der handgeschöpften Papiere sorgen dafür, dass unsere Blicke verweilen und dabei sich in das Spiel von Verbergen und Öffnen hineinziehen, das der starke Pinsel mit chinesischer Tusche längs dem Bruch, wie aus dem Inneren dringend,
betont.
Eine Skulptur aus ungezählten Blättern gleichen Formats, zwischen deren Abständen hundertfach das Schwarz sich in vielen Bewegungen hervordrängt und doch zurückgehalten wird, potenziert dieses Wechselspiel zu einer Wirkung nach allen Seiten des Raumes. Unerwartete Balancen nehmen uns mit . Wohin wird dieser Wechsel von Erwarten und Befürchten sich noch steigern lassen?

Pascual Jordan hat sich der abstrakten Malerei zugewandt, nachdem er lange Jahre figurativ gemalt hat und mit allen Techniken, Materialien und Überraschungen der alten Schulen vertraut geworden ist. Manchmal würde man in einem seiner neuen Bilder Schichten der Entstehung unter der aktuellen Erscheinungsentdecken kennen, in denen sich noch Elemente früherer Motive nachweisen ließen. Strukturen, die den informellen Beziehungen freier farbiger Findungen unterliegen, den Flüssen der beweglichen Formen im Verborgenen Halt geben. Meist ergibt ein Übereinander das schwer zu erratende Miteinander der Momente, die in der Betrachtung zusammenwirken, weil eine Bewegung mit einem Rakel oder einem Spachtel oder einem der vielen hart gewordenen oder noch weichen Pinsel sie neu gemischt hat im Auftauchen und Verschwinden.
Dann akzentuieren Stellen von höchst raffinierten Farben aller möglichen Traditionen, ein inzwischen ungewohntes Schwarz, die Effekte eines kaum mehr benutzten Weiß, eines caput mortuum die Weite der sich ineinander und übereinander ziehenden Partien.

Drei Erkundungen im Abstrakten, die auf sehr verschiedene Weisen die unerwartete Konkretheit von Wirklichkeiten sichtbar machen, die nur mögliche sind. Das Vorgehen ist dabei auch durch gleiche Techniken, die aber ganz unterschiedlich gewendet werden, so verwandt, wie etwa das Laufenlassen der Farben und Schüttungen es bedingen. Immer ist auch im Betrachten zu spüren, dass diese Malereien nur aus den freien Bewegungen des ganzen Körpers im Rhythmus der Gesten leben können.

Text: Rudolf zur Lippe


KUNST & WEIN Rundgang 2014

am 06. September von 12 – 18h
freie Weinverkostung ausgesuchter Jahrgänge vom
Weingut Schloss Proschwitz - Prinz zur Lippe




Werkstattgalerie

Eisenacher Str. 6
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Hella Berent & Malte Kebbel  - Skulpturen und Malerei 2014-10-10 - 2014-11-08