ENNO HALLEK, LEONHARD LAPIN, ANDRES TOLTS 2013-06-07 - 2013-07-13
Leonhard Lapin
 „Code 303 – Händel“
acrylic and serigraphy on canvas, 2012

01

Andres Tolts Table II
Leonhard Lapin Code CVX
Enno Hallek Ambivalent Symmetry

04

Enno Hallek 
Portable Sunsets,
The incredible Idea that the Clothes hanger is a Christian Invention
Portable Sunset for Kandisky

07

Enno Hallek
“Psychorealistic Fractal”
acrylic on wood, dim.var., 2013

02

Enno Hallek 
Ambivalent Symmetry
Portable Sunset for Kandisky
Interacting Fractal

05

Enno Hallek 
Portable Sunset
Leonhard Lapin 
Code301

08

Andres Tolts
Chart A I
81x65cm, acrylic on canvas, 2011

03

Enno Hallek Interacting Fractal
Andres Tolts Table VI
Leonhard Lapin Code LXXXII

06

01

Leonhard Lapin
„Code 303 – Händel“
acrylic and serigraphy on canvas, 2012

02

Enno Hallek
“Psychorealistic Fractal”
acrylic on wood, dim.var., 2013

03

Andres Tolts
Chart A I
81x65cm, acrylic on canvas, 2011

04

Andres Tolts Table II
Leonhard Lapin Code CVX
Enno Hallek Ambivalent Symmetry

05

Enno Hallek
Ambivalent Symmetry
Portable Sunset for Kandisky
Interacting Fractal

06

Enno Hallek Interacting Fractal
Andres Tolts Table VI
Leonhard Lapin Code LXXXII

07

Enno Hallek
Portable Sunsets,
The incredible Idea that the Clothes hanger is a Christian Invention
Portable Sunset for Kandisky

08

Enno Hallek
Portable Sunset
Leonhard Lapin
Code301

Die Botschaft der Republik Estland und die Werkstattgalerie
laden zur Eröffnung der Ausstellung


ENNO HALLEK· LEONHARD LAPIN · ANDRES TOLTS

Messages from Reality, vol. 2

08.06. – 13.07.2013


Vernissage:
Freitag, den 07.Juni ab 19 h

Grußwort:
Frau Dr. Kaja Tael
Botschafterin der Republik Estland in Berlin

Es spricht:
Harry Liivrand
Kurator der Ausstellung und Kulturattaché der Republik Estland in Berlin

Mit „Messages from Reality, vol. 2“, einer Gruppenausstellung der drei Künstler Leonhard Lapin, Andres Tolts und Enno Hallek, setzt die Werkstattgalerie die im letzten Jahr begonnene Ausstellungsreihe zur estnischen Gegenwartskunst fort. (2012 war Jaan Elken's vielbeachtete Ausstellung „Messages from Reality“ zu sehen.)

Stichworte wie Popkunst und soziale Kompetenz sowie der ironische Blick auf ein fest-gefügtes Wertesystem inclusive Verbraucherkult greifen in der Ausstellung dieser drei Künstler, deren Werk in den jeweiligen Ursprungsländern die Geschichte der Popkunst geschrieben hat, ineinander. Lapin, Tolts und Hallek sind lebende Avantgardeklassiker, die bis heute, von der Popkunst ausgehend, mit Hilfe der Malerei nach bildhaften Entsprechungen für die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, visuellen und mentalitäts-geschichtlichen Prozesse des 21. Jahrhunderts suchen. Dabei gehen Lapin als auch Tolts und Hallek seit Beginn unseres Jahrhundert immer deutlicher von konzeptuellen Grundsätzen aus, ohne dabei das ästhetische Maß aus den Augen zu verlieren. In der Arbeitsweise aller drei Künstler haben ein gewisses mechanisches Moment, eine maschinelle Folgerichtigkeit, ein rationales Ordnungsbedürfnis und die Systematik ihren Stellenwert. Die drei Künstler haben im Lauf von Jahrzehnten eine von der Realität diktierte, eigene utopische visuelle Welt erschaffen, die zur Weitergabe ihrer vieldeutigen Botschaft wiedererkennbare, ja banale Objekte, Details, Motive und ready made´s verwendet, dies jedoch in einer Weise, die sich als absurd interpretieren lässt. Das Absurde ist die durchgängige Idee im Werk von Lapin, Tolts und Hallek: solange etwas ungewöhnlich ist, wird es als absurd angesehen. In den vorliegenden Arbeiten werden also Dinge zusammengbracht, die nicht unbedingt zusammengehören und demzufolge durchaus als absurde Interpretation der Gesellschaft betrachten werden können.

Andres Tolts und Leonhard Lapin machten sich bereits in den 1960er Jahren während ihrer Studienzeit an der Estnischen Kunstakademie als so genannte „junge Wilde“ einen Namen, indem sie sich mutig den zuwiderlaufenden Richtungen der offiziellen sowjetischen Kunstideologie, wie der Popkunst, widmeten und mit eigenen Performances in Aktion auftraten. Die Interessen und Wünsche, die Andres Tolts - inspiriert von der Popkultur, dem ready made und dem entfremdeten urbanen Milieu - zu seinem künstlerischen Schaffen veranlassen, haben sich im Laufe von mehr als 40 Jahren nicht verändert. Seine Energie bezieht er seit Anbeginn aus dem Systematisieren, aus der Ironie, der Selbstironie und dem Unbewussten, angereichert und erweitert während der letzten fünfundzwanzig Jahre um das Selbstzitat. Mit den Motiven, die die Arbeiten unseres Jahrhunderts durchziehenden, sprich: abstrakten Konstruktionen, (toter) Natur, der Synthese zwischen realem Objekt und subjektivem Umfeld, dem Spiel mit Kitsch und Ästhetik und den Symbolen der bürokratischen Welt, sucht Tolts nach wie vor eine Antwort auf die Frage nach der visuell harmonischen Vereinigung der Kategorien des Natürlichen und Künstlichen sowie des Erhabenen und Erbärmlichen. Die in pedantischer Strenge gemalten so genannten Tabellenserien sind Musterbeispiele für Tolts raffinierten Formalismus, durch den die über Jahre geltenden charakteristischen abstrakten Vignetten und streng geordneten Kompositionsstrukturen die originelle Vorstellungswelt des Künstlers mittels neuer Strukturspiele illustrieren. In seiner Darstellungsweise unverkennbar, hat sich Tolts hier in die Lage eines Beamten versetzt, der, um seiner Langeweile zu entgehen, nach dem Stift greift und auf den Formularen seiner Institution gedankenverloren herum kritzelt. Im Endergebnis ließe sich dies als eigenwillige und unbewusste Rebellion gegen die Ordnung verstehen, denn auf einer bestimmten Ebene deckt sich Tolts´ Methode mit dem Automatismus, der den Surrealisten zugeschrieben wird. Aber ich denke doch, dass der auf den Verstand bauende Tolts uns einfach ein wenig auf den Arm nehmen will, indem er uns technisch brilliante Pseudosimulationen a la Surrealismus vorsetzt.

Die umfangreiche Serie des Multitalents Leonhard Lapin - er ist Architekt, Dichter, bildender Künstler und Kunsttheoretiker – mit dem Titel „Koodid“ [Codes (begonnen 2003)], die auch internationale Aufmerksamkeit erregt hat, geht von dem universellen geometischen Ornament des Konsums aus – dem Strichcode. Von einer estnischen Besonderheit kann man hier nicht sprechen, denn der Strichcode hat keine Heimat mehr. Lapins „Codes“ bilden in erster Linie eine ansprechende formalistische Serie, einen Dialog mit dem Erbe der Avantgarde (Formen von Musikinstrumenten), der historischen geometrischen Abstraktion und dem Minimalismus; es ist eine hervorragende Analyse der Invarianz der Koloristik, des bildinneren Raumes und Rhythmus´. Lapin bezeichnet seine Serie als archetypische Farblehre. Als ein Künstler, der Schönheit und Ästhetik schätzt, setzt Lapin seine geordneten Malkompositionen dem herrschenden Chaos des urbanen Milieus entgegen; die Allegorien von Bach und Händel symbolisieren bei ihm die ewigen geistigen Werte, allerdings im Gewand des 21. Jahrhunderts. In akribischer Systematik spielt Lapin die Zusammenstellungen der verschiedenen Farbstreifen durch, um auf das Organische der unendlichen Kombinationsmöglichkeiten hinzuweisen – es ist wie die Natur selbst, in der die Farbe ihren Anfang durch das Licht nimmt. Wie der Künstler sagt, „bringt das Licht auf diese Weise auch die Welt der Farben zu uns, vermutlich sind es zehn Millionen verschiedene Töne, die neben Energie auch Information beinhalten – sprich: die Bedeutung des Seins. Diese Energiefelder, genauer gesagt, Farbfelder, beinhalten wiederum Bedeutungsfelder, und die führe ich in Form meiner Gemälde dem Betrachter zu.“ Dass sich Lapins Äußerung im Zusammenhang mit dem Zen Buddhismus interpretieren lässt, ist unbestreitbar – mit dieser Lehre beschäftigt sich der Künstler seit etwa vierzig Jahren.

Der in Stockholm ansässige Enno Hallek, einer der herausragenden schwedischen Künstler mit estnischen Wurzeln, hat einen grundlegenden Beitrag für die Skandinavische Popkunst und die Entstehungsgeschichte des Konzeptualismus geleistet; darüber hinaus war er aktiv am exilestnischen Kunstgeschehen beteiligt. In der schwedischen Kunstgeschichte beginnt die Popkunst mit Hallek.

Nach der Fraktaltheorie von Benoit Mandelbrot, dem US-amerikanischen Mathematiker polnisch-litauischer Abstammung, wiederholen sich ein und dieselben Strukturen in verschiedener Größe und unendlicher Vervielfachung, wobei sie ihre ursprüngliche Bedeutung nicht verlieren. Hallek hat sich seit je her für Theorien interessiert, und so faszinierte ihn außer der Fraktaltheorie insbesonders auch die Stringtheorie (Saitentheorie), die den Aufbau der Welt durch das kleinste informationstragende Element, das kein Punkt ist, sondern eine vibrierende Saite, zu erklären versucht, wobei noch niemand die strings mit eigenen Augen gesehen hat. Für Hallek kommt es darauf an, sich in erster Linie mit der Frage zu beschäftigen, wie man das, was wir nicht sehen, visualisiert beziehungsweise, wie im vorliegenden Fall - wie man eine Theorie malt. Mit der Methode des Legoprinzips, des Recyclings und des Experimentierens und dem Material Sperrholz und Flügelmuttern, besteht die 1990 begonnene Entwicklung seines Formensystems in unendlichen Kombinationen von Fraktalen, in permanenter Ersetzung der einzelnen Komponenten der Arbeiten, in Übermalungen sowie der unverzüglichen Demontage eben erschaffener symmetrischer bzw. idealer Kompositionen und der Kombination neuer, asymmetrischer Konfigurationen. Die konzeptuelle Annäherung äußert sich auch im demokratischen Aspekt der Arbeiten Enno Halleks, d.h. der Mechanik und der Transportfähigkeit - der Möglichkeit für das Publikum, sich beim Erarbeiten der Kombinatorik einzubringen sowie die Arbeiten im öffentlichen Raum zu bewegen, wodurch sie in Abhängigkeit von ihrer Umgebung wieder neue Bedeutungen erhalten.

Aber auch die therapeutische Wirkung der Kunst sollte man nicht unterschätzen. Vor allem bezüglich Hallek, denn wenn die Arbeiten eines Künstlers zum Nachdenken anregen, aber gleichzeitig gute Laune erzeugen, dann muss im Wesen dieser Kunst etwas Besonderes verborgen sein.

Harry Liivrand


WERKSTATTGALERIE
Eisenacher Straße 6
D-10777 Berlin

info@werkstattgalerie.org
Tel.: +49.(0)30.288 66 485
Di-Fr 12-19h, Sa 12-16h


ENNO HALLEK· LEONHARD LAPIN · ANDRES TOLTS

Die Botschaft der Republik Estland und die Werkstattgalerie

laden zur Eröffnung der Ausstellung

ENNO HALLEK· LEONHARD LAPIN · ANDRES TOLTS

Messages from Reality, vol. 2

08.06. – 13.07.2013

Vernissage:
Freitag, den 07.Juni ab 19 h

Grußwort:
Frau Dr. Kaja Tael
Botschafterin der Republik Estland in Berlin


Es spricht:
Harry Liivrand
Kurator der Ausstellung und Kulturattaché der Republik Estland in Berlin


Mit „Messages from Reality, vol. 2“, einer Gruppenausstellung der drei Künstler
Leonhard Lapin, Andres Tolts und Enno Hallek, setzt die Werkstattgalerie
die im letzten Jahr begonnene Ausstellungsreihe zur estnischen Gegenwartskunst fort.
2012 war Jaan Elken's vielbeachtete Ausstellung „Messages from Reality“ zu sehen.

Stichworte wie Popkunst und soziale Kompetenz sowie der ironische Blick auf ein
festgefügtes Wertesystem inklusive Verbraucherkult greifen in der Ausstellung dieser
drei Künstler, deren Werk in den jeweiligen Ursprungsländern die Geschichte
der Popkunst geschrieben hat, ineinander.Lapin, Tolts und Hallek sind lebende
Avantgardeklassiker, die bis heute, von der Popkunst ausgehend, mit Hilfe
der Malerei nach bildhaften Entsprechungen für die gesellschaftlichen,
wirtschaftlichen, visuellen und mentalitäts-geschichtlichen Prozesse des 21.
Jahrhunderts suchen.

Dabei gehen Lapin als auch Tolts und Hallek seit Beginn unseres Jahrhundert immer
deutlicher von konzeptuellen Grundsätzen aus, ohne dabei das ästhetische Maß aus
den Augen zu verlieren. In der Arbeitsweise aller drei Künstler haben ein gewisses
mechanisches Moment, eine maschinelle Folgerichtigkeit, ein rationales
Ordnungsbedürfnis und die Systematik ihren Stellenwert. Die drei Künstler haben im
Lauf von Jahrzehnten eine von der Realität diktierte, eigene utopische visuelle Welt
erschaffen, die zur Weitergabe ihrer vieldeutigen Botschaft wiedererkennbare, ja
banale Objekte, Details, Motive und ready made´s verwendet, dies jedoch in
einer Weise, die sich als absurd interpretieren lässt.


Ort:

WERKSTATTGALERIE

Eisenacher Straße

D-10777 Berlin

www.werkstattgalerie.org
info@werkstattgalerie.org
Tel.: +49.(0)30.288 66 485
Di-Fr 12-19h, Sa 12-16h



Hamburger Abendblatt -Stefan Grund 2013-03-22